Hallo, guten Tag und wuff, wuff.
Mein Name ist Eiko. Eigentlich heiße ich ja Amor-Eiko von der Zauberschmiede, aber meine Menschen rufen nur Eiko.
Ich bin ein fröhlicher, manchmal auch nachdenklicher Labrador-Rüde.
Ich bin 2 Jahre alt und habe beschlossen, euch an meinem bisherigen und zukünftigen Leben teilhaben zu lassen.
Am 06. Februar 2006 wurde ich in Steinsberg geboren, wo meine Mama Klara zusammen mit vielen anderen Hunden bei Renate und Detlef Döhren lebt.
Schon bei meiner Geburt sorgte ich für große Aufregung.
Meine zukünftigen Menschen hatten nämlich schon Wochen vor meiner Geburt beschlossen einen Rüden zu nehmen. Und dann kam ein Mädchen nach dem anderen auf die Welt. Als echter Kavalier habe ich nämlich meinen 7 Schwestern den Vortritt gelassen.
Und was war die Freude groß, als endlich als 8. Welpe ein Rüde auf die Welt kam.
An die ersten Wochen kann ich mich gar nicht mehr so richtig erinnern. Unser Leben drehte sich ums Schlafen und Trinken. Wenn wir wach waren, haben wir unsere Wurfkiste und später auch den Hof inspiziert. Dort konnte man ganz toll mit den Geschwistern herumtoben.
Da Renate und Detlef uns nicht behalten konnten, gaben sie eine Anzeige auf um neue Dosenöffner für meine Schwestern zu finden. Ich hatte ja bereits eine Familie, die mich jede Woche besuchte und mich streichelte und mit mir spielte.
Auch meine Schwestern fanden nach und nach neue Familien und nach 8 Wochen durften wir dann alle mit unseren neuen Zweibeinern nach Hause fahren.
Einerseits war es sehr aufregend. Anderseits: wo waren meine Mama Klara, meine Oma Pia, meine Schwestern und die vielen anderen Hunde, die bei Döhrens lebten. Ich war sehr traurig!!
Langsam begriff ich, ich hatte eine neue Familie, ein neuer großer Garten und vor allem gab es da noch einen Hund, Pierrot, ein Mischlingsrüde aus Spanien, mit dem ich sofort Freundschaft schloss.
Ich hatte jetzt ein eigenes Rudel!!!
Die ersten Tage in meinem Rudel waren anstrengend und aufregend. Meine Zweibeiner waren sehr lieb zu mir. Sie haben mit mir gespielt, mich gestreichelt, mir Wasser und Fressen gegeben und mich in den Garten gelassen. Dort konnte ich wunderbar herumtollen, rennen und vor allem den Gartenteich erkunden.
Nach und nach lernte ich auch die anderen Familienmitglieder von meinen neuen Menschen kennen. Vor allem Pascal, der kleine Enkel meiner Familie fand ich super. Mit ihm konnte man prima auf der Erde herumkrabbeln und ab und zu haben wir uns ein Menschenkeks geteilt.
Jeden Morgen musste mein Frauchen zur Arbeit gehen. Darüber war ich sehr traurig. Aber zum Glück blieb Herrchen den ganzen Tag bei mir und hat sich um mich gekümmert. Das war richtig schön. Aber warum ist er ständig über mich gestolpert und hat mir auf meine Pfoten getreten? Erst nach und nach habe ich begriffen, dass mein Herrchen sehr schlecht sehen kann und fast blind ist. Schnell habe ich gelernt in der Wohnung immer an der Wand endlang zu gehen und mit dem Schwanz gegen die Holzwand zu klopfen. Dann weiß mein Herrchen immer wo ich bin.
Nach 1 Woche durfte ich zusammen mit Pierrot wieder mit dem Auto fahren. Was war denn jetzt schon wieder los? Wo ging es denn jetzt hin? Nach einiger Zeit hielt die Blechkiste an und wir durften aussteigen. Und dann gingen wir auf eine große Wiese, wo andere Hunde bereits herumtobten.
War das eine Freude, endlich konnte ich einige von meinen Schwestern wieder sehen. Von da an sind wir jeden Samstag auf den Hundeplatz zur Welpenschule gefahren um mit den anderen Welpen zu toben und zu spielen. Ganz nebenbei haben wir auch die erste Erziehung in Form von „Sitz“ und „Komm“ gelernt.
Mit 5 Monaten wurde ich in die Junghundeausbildung aufgenommen.
Zwischendurch durfte ich auch mit Pierrot die Clubstunden besuchen und an den Übungen der „großen“ Hunde teilnehmen. Dort habe ich auch dann endlich meinen Papa Balou kennen gelernt.
Da ich später meinem sehbehinderten Herrchen als Behindertenbegleithund dienen soll, wurde ich schon sehr früh mit allen Geschehnissen und Geräuschen des Alltagslebens vertraut gemacht, beispielsweise in verkehrsreichen Innenstädten, im Bus, im Bahnhof, in der Eisenbahn und in Einkaufszentren.
Ich lernte Grundgehorsam, gutes Verhalten an der Leine, richtiges Sozialverhalten zu Hause, auf Besuchen oder in der Öffentlichkeit.
Alle 2 Wochen gehen wir mit der Hundeschule in die Stadt und dort lerne ich mein Herrchen an Gegenständen oder Hindernissen vorbeizuführen, an der Bordsteinkante stehen zu bleiben und „Sitz“ zu machen, an Treppenstufen stehen zu bleiben usw.
Am 1. Oktober 2006 habe ich an einer Hundeausstellung teilgenommen. In einer großen Halle waren sehr viele Hunde und Menschen und alle waren sehr aufgeregt.
Ich nahm in der Labradorgruppe „Baby-Jüngster“ teil und wurde prompt Sieger. Anschließend wurden noch einmal alle Sieger-Junghunde vorgeführt. Auch hier habe ich gewonnen und wurde Ehrensieger der „Baby-Jüngster-Rüden“. Meine Familie war sehr stolz auf mich und hat 2 Pokale mit nach Hause genommen. Auch ich hatte mich sehr gefreut und wollte die Freude gleich mit einer Hündin teilen.
4 Wochen später wurde ich kastriert.
Nach meiner Kastration habe ich mit den Übungen für meine Begleithundeprüfung begonnen und habe meine Prüfung
Am 03. Juni 2007 als jüngster Teilnehmer und als erster von meinen Geschwistern bestanden.
Jetzt war ich auch ein richtiges Clubmitglied. Wir treffen uns mehrmals in der Woche mit anderen Clubmitgliedern auf dem Hundeplatz zum Üben und Spielen, machen im Sommer Agility, treffen uns sonntags zum Wandern und in den Sommermonaten auch mal zum Schwimmen.
Im Dezember 2007 habe ich zum 1. Mal mit meinen Menschen und ihren Freunden an einer Nachtwanderung teilgenommen. Mein Herrchen war sehr stolz auf mich. Im dunkeln habe ich ihn prima ins Nachbardorf und wieder zurückgeführt.
Seit einiger Zeit lerne ich auch am Hundegeschirr zu gehen und bekomme demnächst ein richtiges Blindenführhundegeschirr.
Fast hätte ich vergessen über ein wichtiges Ereignis zu berichten.
Im September 2006 hat Pascal ein Brüderchen bekommen. Er heißt Cedric und ist mein bester Freund. Cedric darf mit mir spielen, auf mir rumkrabbeln und sogar auf mir reiten.
Vor 2 Wochen hatte ich Geburtstag, ich bin jetzt 2 Jahre alt.
Heute kam endlich mein Blindenführhundegeschirr. Ich kann jetzt endlich mit meinem Herrchen mit unserer privaten Ausbildung zum Blindenhund beginnen.
Draußen wird es langsam dunkel. Frauchen schreibt meine Geschichte auf und ich liege mit Pierrot neben Herrchens Sessel im Wohnzimmer und wenn er uns über den Kopf streichelt, dann wünschen wir uns noch viele Jahre bei ihnen zu sein damit ich noch viele Geschichten aus unserem Leben erzählen kann.
Bis bald Euer Eiko
Schlagworte: Blindenführhund, Eiko, Geschichte, Hunde, Labrador
Gefällt mir sehr gut, geht ans Herz.
Einte tolle Geschichte.
Eine lesenswerte Geschichte, die zwar emotional geladen ist, jedoch die erforderliche Sachlichkeit nicht missen lässt, aufzuzeigen, welches Potential durch eine kontinuierliche Ausbildung aus einem Labrador Retriever zur Entfaltung kommen kann.
sehr schöne Geschichte und sehr Emotional.
sehr schön geschrieben, geht ans Herz.
Gibt es was Neues von Eiko ?
wunderschöne Geschichte die ans Herz geht. Freue mich schon schon auf neue Eiko Geschichten.
Hallo, ich habe die Geschichte heute zum 1oo. Mal gelesen und freue mich riesig, wenn´s endlich weiter geht. Alle wollen etwas über Eikos Fortschritte wissen. Also Eiko, geh schlafen, damit Frauchen wieder schreiben kann. Gruß Renate