Hallo, man nennt mich Pierrot. Den Namen bekam ich weil ich ein weißes Fell und schwarze Ohren habe und mich oft benehme wie ein Clown.

Vermutlich bin ich ein Bordercollie-Spitz-Mischling. Aber keiner weiß so richtig wer meine Eltern waren. Heute möchte ich euch erzählen, was ich in Spanien alles erlebt habe bevor ich zu meiner Familie nach Deutschland kam. Geboren wurde ich im Oktober 2003 in der Nähe von Malaga in Spanien. An die ersten Wochen in meinem Leben kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Eines Tages landete ich auf der Straße.

Ich war noch sehr klein und der tägliche Kampf ums Überleben war hart. Manchmal traf ich Menschen, die mir etwas zum Fressen zuwarfen, aber meistens wurde ich verjagt. Langsam gewöhnte ich mich ans Leben als Streuner und war mit der Zeit perfekt im Mülleimer durchwühlen und noch heute ist kein Mülleimer vor mir sicher. Am liebsten lag ich in der warmen Sonne oder stromerte in der Gegend herum. Nur nachts war es oft kalt und wenn ich auf der harten Erde schlief, träumte ich von einem weichen Schlafplatz in einem Haus und von Menschen die mich verwöhnten und streichelten.

Aber es kam erst einmal alles ganz anders. Streuner werden in Spanien eingefangen und meistens schon nach einer Woche “entsorgt”. Sollten sie einen Microchip besitzen, verlängert sich dieser Termin. Auch ich wurde eines Tages mit einer Schlinge eingefangen. Ich hatte keinen Microchip, keiner vermisste mich und so kam ich in die Perera nach Malaga und sollte getötet werden. Ein paar Tage später wurde Cornelia, eine Deutsche die in Spanien lebt, auf mich aufmerksam. Ich saß in einer winzigen Zelle in Einzelhaft, ohne Tageslicht, und meine Stunden waren gezählt, mein Tötungstermin bereits festgelegt. Ob Cornelia wohl gefühlt hat welche Ängste und Qualen ich in den letzten Tagen durchgemacht habe? Ich war doch erst 8 Monate alt und sollte schon getötet werden. Cornelia übernahm die Patenschaft für mich, wurde meine Pflegemama und rettete mir so mein Leben.
Bei Cornelia wurde ich erst einmal gebadet und dann ging es zum Tierarzt. Hier wurde ich untersucht und geimpft. Viele Hunde in Spanien haben Leishmaniose, aber zum Glück war ich gesund und leishmaniosefrei und Cornelia konnte mich mit nach Hause nehmen. Sie musste mir alles, was man normalerweise als Welpe lernt beibringen. Ich hatte hoch nie ein Halsband getragen und geriet jedesmal in Panik wenn Cornelia mir ein Halsband anziehen wollte. Mein Hals tat noch immer von der Schlinge weh und bellen kann ich seitdem auch nicht mehr. Mit der Zeit lernte ich an der Leine gehen und war von Anfang an stubenrein. Nur mit dem Fressen hatte ich Probleme. Was Cornelia mir da in der Schüssel vorsetzte war nicht nach meinem Geschmack. Ich hatte vorher noch nie aus einer Schüssel gefressen und das trockene Hundefutter schmeckte mir überhaupt nicht. Cornelia versuchte es mit Leber, Hühnerfleisch, Reis und Nudeln und siehe da es schmeckte mir. Am liebsten stromerte ich den ganzen Tag auf dem großen Grundstück herum. Da die Terrassentür Tag und Nacht offen stand, konnte ich kommen und gehen wann ich wollte und nachts schlief ich auf einem schönen weichen Sessel. Wenn Cornelia nach mir rief, stellte ich meine Ohren auf taub. Nur wenn sie mit dem Autoschlüssel raschelte kam ich angerannt, denn wenn Cornelia in die Stadt fuhr, durfte ich immer mitfahren. Autofahren wurde zu meiner großen Leidenschaft. Bei meiner Pflegemama gefiel es mir. Obwohl ich oft versucht habe aus dem großen Grundstück auszubrechen, wollte ich hier für immer bleiben. Aber Cornelia hatte noch fünf eigene Hunde und konnte mich nicht für immer behalten. ich sollte nach Deutschland vermittelt werden. Vorher musste ich aber noch kastriert werden. Ausgerechnet am Heiligen Abend wo andere Hunde von ihren Menschen mit Leckerli verwöhnt werden musste ich zum Tierarzt. Zwei Wochen später meldete sich bei einer Freundin von Cornelia in Deutschland eine Familie die mich haben wollte. Dort gab es bereits eine ältere Hündin und ich sollte das sehbehinderte Herrchen jeden Tag auf seinen Spaziergängen begleiten. Aber von all dem ahnte ich noch nichts. Wie jeden Tag stromerte ich auf dem Grundstück herum und schaute den Schafen und Ziegen auf der anderen Seite vom Zaun zu. Ein paar Tage später war es soweit. Frisch gebadet und um Sicher zu gehen, daß ich kein Ungeziefer oder eine braune Hundezecke nach Deutschland einschleppe, noch mit einem Spot-on-Präparat versorgt, kam ich in eine Box und wurde von einer fremden Frau, einer Flugpatin, am Flughafen in Empfang genommen. Hier war es sehr laut. Überall liefen Leute herum und ich wurde auch noch in einen riesigen großen Vogel verfrachtet. Ich hatte schreckliche Angst. Müde und ganz benommen schlief ich endlich ein. Als ich wieder aufwachte war es bereits dunkel und sehr kalt. Es war der 15. Januar 2005 und ich war in Deutschland angekommen. Endlich wurde ich aus meiner Box befreit. Eine nette Frau, es war die Freundin von Cornelia, brachte mich zu ihrem Auto und erklärte mir, daß sie mich jetzt zu meiner neuen Familie fahren würde. Ich war sehr aufgeregt. Was wird mich wohl dort erwarten? Ob die alte Hündin sich wohl mit mir vertrgen wird?
Wie es mit Pierrot in seinem neuen zu Hause in Deutschland weiter geht, erfahrt ihr demnächst bei “Döhrens Hundegeschichten”