Was ich in Spanien alles erlebt habe, habe ich euch ja bereits erzählt.
Heute möchte ich euch berichten, was ich die ersten Wochen und Monate in Deutschland alles erlebt habe.

Es begann alles am 15. Januar 2005. Es war bereits dunkel und ziemlich kalt als ich in meinem neuen zu Hause ankam. Erst vor 1 Woche hatte meine neue Familie beschlossen, einen Zweithund zu ihrer Hündin zu holen. Laika war bereits 15 Jahre alt und in den letzten Monaten nicht mehr so fit wie früher. Sie hatte Krebs und war vor einem halben Jahr operiert worden.
Eigentlich wollten meine neuen Leute ja einen Welpen haben, aber die waren alle vermittelt und so kam es, daß ich jetzt bei ihnen einzog.
Mein neues zu Hause gefiel mir. Hier war es schön warm und man hatte bereits ein Körbchen mit einer weichen Decke für mich bereit gestellt.

Aber wo war Laika? Endlich fand ich sie. Sie lag im Schlafzimmer auf ihrer Decke und wir beide verstanden uns von Anfang an sehr gut.

Noch am gleichen Abend unternahm ich mit Margit meinem Frauchen und mit ihrem Sohn Mario den ersten Spaziergang. Laika zeigte mir unterwegs ihre “Pipiwiese”, ein unbebautes Grundstück auf dem wir Hunde ungestört unser Geschäft machen konnten. Weiter ging es zu Margits Tochter Yvonne. Sie hatte bereits eine eigene Familie und wohnte nur ein paar hundert Meter weiter. Dort wurde ein großes Fest gefeiert, das sogenannte “Bäumchenstellen” zur Geburt von Pascal, dem kleinen Enkel von meinen Leuten. Jetzt lernte ich auch den Rest der Familie und alle Freunde kennen. Alle begrüßten mich und freuten sich, daß ich so ein lieber kleiner Kerl war. Wieder zu Hause schlief ich glücklich in meinem neuen Körbchen ein.
Am nächsten Tag gab es die ersten Probleme. Man setzte mir doch tatsächlich Trockenfutter zum Fressen vor. Cornelia meine spanische Pflegemama hatte ja in einem Brief einiges über mich berichtet, hatte aber vergessen über meine Eßgewohnheiten zu schreiben. Wie sollte ich denn bloß meiner Familie beibringen was mir schmeckt? Frauchen probierte es mit Frolic und Dosenfutter von Laika, ich probierte es, aber es schmeckte mir nicht. Dann kam der ersehnte Anruf aus Spanien. Cornelia wollte wissem wie es mir geht und erklärte auch, daß ich am liebsten selbstgekochtes Futter und Tischabfälle essen würde. Also wurde beschlossen für mich zu kochen.
In den nächsten Tagen machten wir viele Spaziergänge und nahmen auch oft Pascal, den kleinen Enkel im Kinderwagen mit.

Meistens begleitete uns auch Emma, die schwarze Mischlingshündin von Yvonne. Emma war ein richtiger Teufel. Ständig versuchte sie mich zu ärgern und zu ihr nach Hause durfte ich die ersten Monate auch nicht.
Eines Tages, ich war etwa 2 Wochen in Deutschland, traute ich meinen Augen nicht als ich rus kam. Alles war weiß und vom Himmel fiel etwas seltsames. Es war Schnee.


Obwohl ich an der langen Leine war, saußte ich durch den Schnee, versuchte die Schneebälle zu fangen die mir Frauchen zu warf und hatte einen riesenspaß. Auch Emma, die ja erst 8 Monate alt war hate noch nie Schnee gesehen. Zum ersten Mal verstanden wir zwei uns prima und haben beim Spazierrengehen wie verückt im Schnee getobt.
Ein paar Tage später bin ich zum ersten Mal von zu Hause ausgerissen. Obwohl meine Leute ständig aufpassten, daß ich nicht durch die offene Haustür lief, passierte es doch. Margit mein Frauchen flippte föllig aus. Schreiend lief sie mir nach. Ich wurde immer schneller, lief die Straße runter, bog nach rechts ab, dann wieder nach links und Frauchen immer hinter mir her. Erst auf dem Grundstück von Margits Freunden ließ ich mich einfangen. Frauchen war fix und fertig und ich war happy. Das Spiel hatte mir großen Spaß gemacht.
Eines Morgens wachte ich von seltsamen Geräuschen auf. Laika war ständig am Niesen und hatte sehr starkes Nasenbluten. Im Schlafzimmer sah es aus wie auf einem Schlachtfeld. Überall war Blut verspritzt und auch die arme Laika war völlig mit Blut verschmiert. Meine Leute fuhren mit ihr zur Tierärztin und ich blieb traurig zurück. Ob ich Laika wohl jemals wieder sehen würde? Zwei Stunden später war sie wieder da. Sie hatte hohen Blutdruck und musste von nun an jeden Tag eine Blutdrucktablette nehmen.
Als es draußen wärmer wurde und der schöne Schnee schmolz, durfte ich zum ersten Mal ohne Leine in den Garten. Der Garten gefiel mir, überall gab es etwas zum Schnüffeln und als es mir langweilig wurde, wollte ich mal nachschauen wie es bei den Nachbarn ausschaute. Dort roch es so gut nach Bratkartoffeln und Speck. Und ruck zuck war ich über die Mauer gesprungen und auf dem Nachbargrundstück gelandet. Und wieder lief mein Frauchen rufend und aufgeregt hinter mir her. Aber sie konnte rufen so viel sie wollte, ich kam einfach nicht zu ihr gelaufen. Erst als das Spiel langsam langweilig wurde und die Nachbarn inzwischen auch ganz aufgeregt hinter mir herliefen, lief ich auf mein Frauchen zu und ließ mich wieder einfangen.
Damit ich nicht schon wieder ausreisen konnte, wurde jetzt zum Nachbargrundstück ein Zaun über die Mauer gezogen. Aber meine Leute hatten nicht mit mir gerechnet. Es gab ja noch das Gartentürchen über das man springen konnte. Ständig versuchte ich irgendwo auszubrechen. Ich wollte ja nicht weglaufen, nur mal so bei den Nachbarn herumstromern, aber das verstand meine Familie nicht. Sie machten den Garten jetzt ausbruchsicher.
Ein paar Tage später, ich durfte wieder einmal im Garten herumstromern, bellte unser Nachbarhund Nico ganz aufgeregt. Und da hörte ich es auch. Ein seltsames Geräusch kam vom Himmel und als ich hoch sah bekam ich schreckliche Angst. Ein riesiger Ball kam auf mich zu. Völlig in Panik geraten versteckte ich mich im Bambus. Laika blieb ganz ruhig. Sie störte es gar nicht was da am Himmel auf uns zu flog. Sie erklärte mir, daß es nur ein Heißluftballon sei. Laika hatte sogar schon einmal bei einer Flugshow mehrere Heißluftballons starten sehen und keine Angst gehabt. Aber ich hatte so etwas noch nie gesehen und erst nach einer Stunde, der Ballon war schon längst über unser Haus geflogen, kroch ich aus meinem Versteck wieder raus. Zitternd lief ich ins Haus und versteckte mich erst einmal unter dem Küchentisch. Wer weiß, vielleicht kam ja dieses Ungehäuer am Himmel wieder zurück. Meine Familie unterhielt sich über mich und zum ersten Mal hörte ich das Wort Hundeschule.
Am nächsten Tag machten wir einen großen Spaziergang und trafen unterwegs Lukas mit seinem Hund Kalle. Kalle war sehr gut erzogen, hörte aufs Wort und sein Herrchen erzählte, da er die Hundeschule besucht hätte. Meine Leute ließen sich alles über die Hundeschule berichten und beschlossen, auch mit mir eine Hundeschule zu besuchen.
Ende März war es soweit. Meine Ausbildung in der Hundeschule begann.
Was Pierrot alles in der Hundeschule erlebt hat, und wie es mit ihm in seinem Leben weitergeht, erfahrt ihr demnächst bei Döhrens Hundegeschichten.