
Ende März 2005 begann meine Ausbildung in der Hundeschule. Ich war jetzt 3 Monate bei meiner Familie in Deutschland und kam noch immer nicht wenn man nach mir rief.
Der erste Tag in der Hundeschule war sehr spannend und aufregend. So viele neue Gerüche gab es hier und viele Hunde, und alle konnten auf einer großen Wiese zusammen laufen und spielen.
Ausgerechnet Yvonne, die Tochter von Frauchen und Herrchen musste in der ersten Übungsstunde mit mir gehen. Laufen an der lockeren Leine, Kehrtwendung, Sitz, Platz, Slalom laufen…. Wir beide waren anschließend fix und fertig.
Beim nächsten Mal kam ich bei Detlef an die lange Leine. Sehr schnell hatte ich begriffen, wer hier das Sagen hat. Nicht die Hunde, sondern Detlef unser Hundelehrer.

Und dann führte Mario, Yvonnes Bruder mit mir die Übungen durch, und siehe da, es klappte schon viel besser.

Nach wenigen Wochen in der Hundeschule, ich sage euch, mein Leben hatte sich verändert. Herrchen, Frauchen und Mario lernten fleißig mit mir umzugehen und das tat unserer Beziehung richtig gut. Ich hörte jetzt auf meinen Namen und kam wenn man mich rief.
Nachdem ich meine Ausbildung in der Junghundegruppe beendet hatte, wurde ich als vorübergehendes Clubmitglied aufgenommen. Ein richtiges Clubmitglied wird man erst, wenn man die Begleithundeprüfung bestanden hat. In der Junghundegruppe war ich überwiegend mit jüngeren Hunden zusammen. Hier im Club lernte ich jetzt die älteren und erfahreneren Hunde kennen.
Und dan sah ich ” i h n” . Er war groß, schwarz mit etwas weiß und hatte lange Beine, wie ich sie vorher noch nie gesehen hatte. Er war wohl der Boss der Clubhunde. Oft hatte er Raufereien mit anderen Hunden. Ständig rief sein Frauchen nach ihm oder warf ein Kettchen nach ihm weil er sich wieder mal mit anderen Hunden stritt.
Ich hatte keine Ahnung wie ich mich ihm gegenüber verhalten sollte. Ich lief ihm einfach hinterher, hob auch das Beinchen, wenn er das Beinchen hob, und wenn er Streit mit anderen Hunden hatte, ging ich ihm aus dem Weg. Seltsamerweise hatte ich nie Schwierigkeiten mit ihm und wir zwei wurden sogar Freunde.
Aber immer öfter kam es zu Beißereien zwischen meinem Freund und anderen Hunden. Seine Leute sollten ihm einen Maulkorb auf dem Hundeplatz anziehen, aber daran hielten sie sich nicht. Als er eines Tages über einen kleinen Welpen herviel und biss, hatte ich die Schnauze voll von ihm. So jemand wollte ich nicht zum Freund haben. Auch die Menschen waren entsetzt über sein Verhalten. So ein Hund hatte im Club nichts verloren und er wurde vom Platz verwiesen.
Jetzt herrschte Ruhe und Frieden zwischen den Hunden. Ich wurde zum Einzelgänger, hatte die Nase voll von Freundschafften und schaute lieber das Spielen der anderen Hunde von oben herab zu.

Mein Lieblingsplatz wurde die Hängebrücke oder der Laufsteg. Normalerweise ist es nicht erlaubt, daß ein Hund höher liegt oder sitzt als die anderen. Aber keiner von den Hunden störte es. Ab und zu warfen die Menschen mich von meinem Platz wieder runter. Aber nach 5 Minuten lag ich wieder oben und irgendwann gaben sie es auf und nannten mich Prinz Pierrot.
2 – 3 mal in der Woche besuchten wir nun den Hundeplatz, übten fleißig für die Begleithundeprüfung und Sonntagsnachmittags gingen wir mit einer kleinen Gruppe vom Hundeclub spazieren.

Während der Clubstunden wird nicht nur gearbeitet, sondern die Menschen unterhalten sich, Erfahrungen über uns Hunde werden ausgetauscht, es werden Strümpfe für den nächsten Winter gestrickt und bei schönem Wetter auch mal gegrillt

Zu Hause war fast jeden Tag der gleiche Ablauf. Morgens ging ich mit meinem Herrchen zu Yvonne. Dort holten wir Emma ab und dann gingen wir zusammen spazieren. Schon sehr früh hatte ich begriffen, daß mein Herrchen sehr schlecht sieht. Hatte er sich beim Spazierengehen einmal verlaufen, führten Emma und ich ihn sicher wieder nach Hause.
Laike blieb zu Hause. Sie war zu alt für große Spaziergänge. Wenn Frauchen um 12 Uhr von der Arbeit nach Hause kam, wartete ich zusammen mit Laika auf sie.

Nachmittags, wenn Frauchen nicht arbeiten musste, gingen wir mit Emma und Pascal, dem kleinen Enkel, spazieren.

Die arme Laika wurde immer kränker und schwächer. Inzwischen war sie fast blind, war inkontinent und Frauchen musste ständig ihre Pfützen, die sie in der Wohnung überall hinterlassen hatte, aufzuputzen.
Eines Tages war es soweit, Laika war den Weg über die Regenbogenbrücke gegangen. Ich war sehr traurig. Meine beste Freundin und Lebensgefährtin war von mir gegangen. Auch meine Familie trauerte um Laika. Ich tröstete sie so gut ich konnte, lag jetzt wie früher Laika, abends an Frauchens Füßen auf der Couch und schlafe noch heute nachts auf Laika´s Lieblingsplatz im Flur auf der Bank.

3 Wochen später fuhr ich mit meinen Leuten zum ersten mal in Urlaub. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich euch demnächst bei Döhrens Hundegeschichten erzählen werden.